Beinahe

Nach diversen Absagen mit fadenscheiniger Begründung, ohne Gespräch und zwar Wochen nach meiner Bewerbung, kam es auf meiner Jobsuche nun tatsächlich neben einem Vorstellungsgespräch sogar zu drei Tagen Probearbeit. Das muss doch jetzt klappen dachte ich mir, nur, weit gefehlt. Die sichtbare Aufstellung des Unternehmens sah vielversprechend aus. Familiengeführt, modernisiert und immer auf der Suche nach „gutem Personal“. Schau es Dir halt mal alles an, so das Motto und gerne wiederholte Angebot. Also gut dachte ich und meine Frau sowieso, trägt sie doch nun schon viel zulange die alleinige Last des Einkommens. Die Tagelöhnerei war Tage zuvor bereits geklärt und abgehakt, habe ich mich doch für eine Vollzeittätigkeit entschieden, aber die Firma rief mich neulich an um zu erfahren ob ich noch zur Verfügung stünde. Ein weiterer großer Kandidat im QM-Bereich sagte wie schon erwähnt nach über 4 Wochen ab und so wurde mit dem Junior Chef am Freitag vereinbart für Montag um 06.00Uhr einfach mal zu starten. Gesagt, getan. Babs blieb am Montag zuhause, so konnte ich das Auto nehmen, genauso wie am Dienstag. Soweit so gut, am Dienstagnachmittag saß ich dann mit Chef und Chef am Tisch und wir besprachen wie es denn weitergehen könnte. Der Senior versprach mich abends noch zurückzurufen, bis dahin habe er sich etwas überlegt um meine Anstellung schriftlich zu formulieren und auch meine Verwendung. Bei der Verwendung ging es neben der einfachen Maschinenbedienerei auch um die mögliche Nachfolge eines scheidenden „Hausmeisters“ als Option, da dieses Ereignis noch ein Jahr entfernt liegt. Das hatte ich bereits in meinem letzten QM-Job, nur dass damals mein Vorgänger schon weg war bevor ich kam und somit eine Einarbeitung leider wegfiel. Nichtsdestotrotz habe ich mich durchgeschlagen wenngleich ich bei null starten musste. Ich bekam abends den Anruf, nur nicht vom Senior sondern vom Junior. Er meinte so etwas wie, wir müssten erst mit dem Arbeiten an den Maschinen beginnen, da ich diese ja auch lernen müsste oder sollte, weil es Sinn macht. Da ging ich d’accord. Weiters wurde nach zwei Tagen ohne jegliche vertragliche und versicherungstechnische Handhabe vereinbart, im Beisein meiner Frau wohlgemerkt, dass ich Mittwoch früh gleich angemeldet werde, ich bräuchte Meldezettel, SV Nummer, IBAN und meinen Ausweis. Kein Problem, bis auf den Ausweis ging am selben Abend alles gleich per Email an die Buchhaltung, wie es meine Art ist. Die Anmeldung ist ja wichtig, zumal meine Babs mit dieser Branche bestens vertraut ist, also würde ich mich um die Bestätigung am Mittwoch gleich kümmern. Da Babs am Mittwoch wieder ins Büro fuhr nahm sie unsere Fee mit, sollte kein Thema sein, das kennt sie ja von früher. Nachmittags würde sie mich auf ihrem Heimweg einfach auflesen, so war unser Plan. Morgens fragte ich gleich wann denn die „Mädels“ beginnen nur um eine Idee zu haben, ich war ja neu und noch nicht in Kenntnis um diesen Bereich. Auf jeden Fall kam diese Dame, die mich übrigens die Woche vorher schon so nett und herzlich eingeladen hatte auf mich zu und meinte, dass ich wohl nach ihr gefragt hätte. Das stimmt entgegnete ich und fragte meinerseits nach dem Eingang meiner Email. Soweit war sie noch nicht und entgegnete auf meine Nachfrage mit der Anmeldung, das hätte ja noch Zeit, weil ‚angeblich‘ mit ihr vereinbart war, dass ich erst am Donnerstag angemeldet werden soll. Ich erklärte ihr von der Vereinbarung mit dem Junior Chef und bat sich meine Angaben von ihm bestätigen zulassen. Das klappte leider überhaupt nicht, denn sie kam mittags erneut auf mich zu um zu fragen, ob denn das mit Morgen jetzt in Ordnung ginge. Ich verneinte mit dem Hinweis auf die beiden vorherigen Tage ohne Meldung und dass ich über die Möglichkeit bis zum Ende des Arbeitstages angemeldet werden zu können Bescheid weiß, da ich an der Quelle sitze. Man darf sich ein solches Gespräch bei nebenbei laufenden und lärmenden Maschinen vorstellen bei dem meine Sprech-Lautstärke natürlich angepasst höher war. Sie meinte darauf hin dass ihr das jetzt zu blöd wäre und den Senior anrufen würde, der ausser Haus war. Der Junior gab mit ‚das interessiert mich alles nicht‘ auch seinen Kommentar ab und nahm mich kurze Zeit später mit in den Besprechungsraum. Er begann mit ‚es passt nicht‘. Ok, dann kam meine Nachfrage, was denn nicht passe. Ein bekanntes unreifes Gestammel über ‚den Namen werde ich nicht sagen‘ und er ließ sich, wie auch bereits den Vormittag hindurch völlige Überforderung anmerken und dazu, so meine Einschätzung, einen sehr großen Einfluß der Buchhalterin um die es offenkundig ging. Meine Reaktion blieb überschaubar, ich fragte ob denn das nun der Grund sei alles über den Haufen zu werfen. Die Antwort in Schulbub-Marnier war erneut ‚es passt einfach nicht‘. Ich merkte noch an, dass er wisse wo ich bin und ging. Er fühlte sich noch genötigt nach einer Anmeldung für den gestrigen Tag zu fragen und einer Entschädigung für meine bisher geleistete Arbeit. Ich nahm den Hunderter aus seinem voll mit Scheinen gestopften Portemonnaie an. In seine mir entgegengestreckte Hand legte ich erst das vormittags von seiner Mutter ausgehändigte Cutter-Messer und gab ihm dann auch die Hand. Ich holte meine Jacke und Rucksack und machte mich auf den Heimweg. Dabei kam ich an dem netten Kerl vorbei, der mich so freundlich begann einzuarbeiten, und verabschiedete mich von ihm. Er verstand freilich nicht was ‚es passt nicht‘ bedeutete. Der zweite, den ich auf meinem Weg nach draussen antraf meinte, ‚der ruft Dich morgen schon an‘. Und so machte ich mich zu Fuß auf meinen Heimweg, wohlwissend dass Babs erst später kommen würde, egal, erstmal weg.

Beste Grüße Florian

Published On: 3. April 2025Last Updated: 3. April 2025Kategorien: Gedanken, Gefühl, JobsucheSchlagwörter: , , , Views: 93978 words4,9 min read0 Kommentare on Beinahe

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